Felix Klemme – „Das Wunder von Narnia“

Zwei Kinder stehen im Dunkeln. Kälte und Kargheit um sie herum. Keine Pflanzen, überhaupt nichts Lebendes. Hügel, die im dunklen Grau der Finsternis tot daliegen und ihnen die Wärme und den Lebensatem auszusaugen scheinen.

Und dann beginnt von Ferne her ein Gesang. Ganz leise, ein Wispern. Und etwas Licht durchdringt die Dunkelheit und Kälte. Der Gesang wird über eine leichte warme Brise zu den Kindern getragen. Und langsam, aber sicher entsteht ein Licht am Horizont. Die Hügel bekommen Kontur, und ein warmer Schein hebt sich vom dunklen Grau ab. Es ist die erste Sonne, die hinter den Hügeln aufgeht. Das erste Licht in einer neuen Welt. Doch so weit, dass die Sonne ihre wärmenden Strahlen vollends hinter den Hügeln hervorbringt, ist es noch nicht. Die beiden sehen die ersten Vorboten des Lichtes, die mit dem leisen Gesang einhergehen.

Die Aufregung der beiden Kinder wird plötzlich geteilt. Immer weiter entwickelt sich ganz leise erstes Leben um sie herum. Gras schlägt aus dem vorher noch undefinierten und toten Boden. Die Kälte weicht Stück für Stück vor dem wärmenden Wind zurück, der den Gesang trägt. Da blüht schon eine erste Blume – Löwenzahn. Und der Gesang wird von Ton zu Ton immer stärker und stärker. Die beiden beginnen zu begreifen, dass dies ein besonderer Gesang sein muss. Machtvoll. Von lebensspendender Kraft. Die Töne der Schöpfung. Der Gesang, der nun immer mehr Raum in dieser Welt einnimmt. Lauter und variantenreicher wird.

Nun geht die Sonne auf. Und eine neue Welt erstrahlt im Licht des neuen Tages. Tiere, Bienen, Fliegen und Eichhörnchen und Füchse tummeln sich im frischen Grün. In der Ferne kann man hinter dem Gesang das Rauschen eines Baches hören. Auf einem Hügel thront majestätisch der singende Löwe Aslan.

Auf diese Weise präsentiert C. S. Lewis die Schöpfung der Welt Narnia. Der Löwe Aslan, Sinnbild für den Dreieinigen Gott in dieser Buchreihe, erschafft mit seiner Stimme eine neue Welt voller Wunder. Er verwandelt einen dunklen und lebensfeindlichen Ort in eine Idylle. „Das Wunder von Narnia“ ist nicht verfilmt worden. Vielleicht, weil es keine klassische Heldengeschichte ist. Sondern eben die einer Weltenschöpfung.

C. S. Lewis – ein tiefgläubiger Mann – hat in diesem Buch seiner Emotion über die Schöpfung unserer Welt ein Bild verliehen.

Ich halte gerade in meinem Bestreben für den Schutz unserer Umwelt immer wieder an dieser Geschichte fest. Denn auch dies tue ich nicht, weil es eine Heldentat wäre, derer man sich rühmen könnte. Bei der einem auf die Schulter geklopft wird. Dies tue ich, weil mich das Bild der Schöpfung in seiner Schönheit und Lebendigkeit berührt und fasziniert. Ich teile die Emotionen von C. S. Lewis. Und da hat er nicht wenig Schuld dran.

Gebet:
Herr, unser Gott und Schöpfer!
Zart und machtvoll zugleich ist sie, mächtig, aber auch unglaublich zerbrechlich.
Deine Schöpfung ist in Gefahr, weil wir sie zerstören. Wir wissen das schon längst, und beginnen trotzdem gerade erst zu verstehen.
Hilf uns, für deine Welt einzutreten. Hilf uns, die richtigen Worte zu finden, andere und uns selbst zu überzeugen aktiv zu werden.
Schenke uns die Kraft auf Verzicht und neue Ideen, unseren Lebenswandel deiner Welt anzupassen und nicht deine Welt unserem Lebenswandel unterzuordnen.
Wir danken dir sehr für die jungen Leute, die uns wachrütteln. Die uns deutlich machen, was wir längst hätten begreifen und umsetzen müssen.
Segne alle, die demonstrieren. Für eine Zukunft auf dieser Welt. Für den Schutz deiner Schöpfung.
Schenke uns deinen Geist der Wahrheit, der uns verstehen lässt, deinen Gesang, der uns leben lässt, deinen Glauben, der uns hoffen lässt.

Amen.

Felix Klemme, Pfr. in Paderborn-Elsen, Teil der Nerdchurch

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